Begegnung ist aller Anfang

Begegnung ist aller Anfang
Viele Beispiele im Alltag zeigen, wie Vietnamesen am Berliner Leben teilnehmen: z.B. bei Fußballfesten anlässlich der jährlich stattfindenden Interkulturellen Wochen - als aktive Sportler, als Mitglied einer riesigen Fangemeinde oder einfach als interessierte Beobachter. Gleichzeitig treffen sich die Besucher zu Kunst, Kultur und Freizeitsport sowie kulinarischen Köstlichkeiten. Aus gemeinsamen Veranstaltungen dieser Art sind inzwischen viele neue Kontakte und Begegnungen entstanden. Beziehungen eben, aus denen sich ein normaler Alltag, eine gemeinsame Freizeit und Freundschaften entwickeln.

Die vietnamesische Community in Berlin
Wenn man über Vietnamesen in Berlin spricht, muss man sie in drei Gruppen untergliedern. Die zwei größten Gruppen bilden die boat people oder Kontingentflüchtlinge und die ehemaligen Vertragsarbeiter. Die dritte Gruppe besteht aus Asylbewerbern, die von Vietnam in die ehemalige Tschechoslowakei als Vertragsarbeiter kamen und von dort aus einen Antrag auf Asyl in Deutschland stellten sowie illegalen Einwanderern, die größtenteils Wirtschaftsflüchtlinge sind.

Die boat people – Flüchtlinge der 70er
Die boat people flüchteten aufgrund des Vietnamkriegs in Booten. Auf der Genfer Indochinakonferenz 1979 erklärte sich die Bundesrepublik Deutschland bereit, ein Kontingent von 10.000 Flüchtlingen aufzunehmen, so genannte Kontingentflüchtlinge. Bis 1984 wurde das Kontingent auf 38.000 Flüchtlinge erhöht und in der Bundesrepublik angesiedelt. Durch das Kontingentflüchtlingsgesetz von 1980 erhielten die Flüchtlinge eine Aufenthaltsbefugnis, die nach einigen Jahren in eine unbefristete Aufenthaltserlaubnis umgewandelt werden konnte.

Die Vertragsarbeiter – auf Zeit in der DDR
Auch in der damaligen DDR gab es seit den 1950er Jahren Vietnamesen, die zur beruflichen Ausbildung und zum Arbeiten aus Nordvietnam kamen. Bis 1990 kamen 69.000 vietnamesische Vertragsarbeiter in die DDR, um für vorläufig fünf Jahre dort zu arbeiten. In dieser Zeit lebten sie sehr isoliert in gesonderten Unterbringungen.

Die Wende verändert alles?
Mit dem Mauerfall 1989 änderte sich die Lage der vietnamesischen Vertragsarbeiter. 70% verloren nach der Wende ihren Arbeitsplatz. Die Hälfte, etwa 30.000, ging, unterstützt durch die Rückkehrhilfe Deutschlands, zurück nach Vietnam. 39.000 Vietnamesen blieben und versuchten, sich hier eine Existenz aufzubauen. 99% der Asylbegehren wurden unbegründet abgelehnt, jedoch wurden die Vertragsarbeiter aufgrund politischer Unruhen in Vietnam nicht abgeschoben, sondern erhielten den Status eines geduldeten de-facto-Flüchtlings, ohne Aufenthaltsgenehmigung und Arbeitserlaubnis. 1993 wurde auf der Innenministerkonferenz beschlossen, dass Flüchtlinge, die ein Arbeitsverhältnis nachweisen können, eine Aufenthaltsbefugnis erhalten.

Fleißig, lerneifrig, strebsam
Heute leben rund 150.000 Vietnamesen in Deutschland, zirka 40.000 haben die deutsche Staatsbürgerschaft. Sie gelten im allgemeinen als fleißig, lerneifrig, strebsam und unauffällig: Sie sind quasi die stillen Integrationsmusterschüler und die größte ostasiatische Ethnie hierzulande – noch vor den Chinesen. Im Vergleich zu anderen Migranten ist bei ihnen die Bildungsquote höher, die Arbeitslosen- und die Kriminalitätsrate niedriger. Die Eltern gelten als autoritär, die Erziehung als besonders streng. Vietnamesen glauben nicht, dass Kinder unterschiedlich intelligent sind, sondern nur unterschiedlich fleißig. Fast 60 Prozent der vietnamesischen Schüler besuchen ein Gymnasium und finden durch gute Leistungen ihren Weg in die qualifizierten Berufe.