Wie feiert man Weihnachten in Vietnam?
In Vietnam wird Weihnachten sowohl als religiöses Fest der christlichen Minderheit als auch als fröhlicher, populärer Anlass für die breite Bevölkerung gefeiert. Obwohl es Weihnachten keine landesweiten Feiertage gibt, haben sich viele Traditionen etabliert, die das Fest zu einem sichtbaren und beliebten Ereignis machen.
In den großen Städten wie Ho-Chi-Minh-Stadt, Hanoi oder Da Nang sind die Straßen, Einkaufszentren und öffentlichen Plätze festlich geschmückt. Viele Gebäude erstrahlen in bunten Lichterketten, und auf Plätzen werden große Weihnachtsbäume aufgestellt. Besonders beliebt sind kunstvoll dekorierte Krippen, die sowohl vor Kirchen als auch in Hotels und Einkaufszentren zu sehen sind. Diese Dekorationen werden häufig zu einer Art Ausflugsziel, da viele Vietnamesen in der Adventszeit abends dorthin gehen, um Fotos zu machen und die festliche Atmosphäre zu genießen.
Die katholische Gemeinschaft spielt eine zentrale Rolle im eigentlichen religiösen Teil des Weihnachtsfestes. Am Abend des 24. Dezember besuchen viele Gläubige die Mitternachtsmesse, die häufig sehr feierlich und gut besucht ist. In traditionell katholischen Regionen wie Phat Diem oder in den christlichen Stadtvierteln Ho-Chi-Minh-Stadts werden aufwendige Krippenspiele, Prozessionen und Chorgesänge aufgeführt. Für viele Familien - auch für nichtchristliche - ist Heiligabend ein Anlass für gemeinsame Aktivitäten. Es ist üblich, zusammen essen zu gehen, durch die geschmückten Straßen zu spazieren oder an öffentlichen Festen teilzunehmen. Vor allem jüngere Leute betrachten Weihnachten als eine romantische Zeit; Paare schenken sich kleine Aufmerksamkeiten oder gehen zusammen aus, ähnlich wie am Valentinstag.
Geschenke spielen für Vietnamesen zu Weihnachten eine geringere Rolle als in westlichen Ländern, werden jedoch zunehmend populärer, besonders unter Kindern. In Schulen und Kindergärten finden oft kleine Weihnachtsfeiern statt, bei denen der „Ong Goa Noel" - der vietnamesische Weihnachtsmann - kleine Geschenke verteilt.
In Vietnam gibt es zu Weihnachten keine einheitlichen, landesweit verbreiteten traditionellen Gerichte, da das Fest historisch nur von der christlichen Minderheit gefeiert wurde. Dennoch haben sich einige typische Essgewohnheiten und Rituale entwickelt, die besonders in christlichen Familien oder in städtischen Gebieten üblich sind. In katholischen Familien wird häufig ein festliches Weihnachtsessen zubereitet, das jedoch meist aus vietnamesischen Alltagsgerichten besteht. Viele Familien servieren traditionelle Speisen wie Banh chung oder Banh tet (Klebreiskuchen), verschiedene Nudel- oder Reisgerichte, gegrilltes Fleisch, Hühnergerichte oder Meeresfrüchte. Ein besonders beliebtes Gericht ist Ga nuong - mariniertes, gegrilltes Hähnchen -, das häufig als Hauptgericht eines familiären Weihnachtsessens auf den Tisch kommt. Anders als im Westen gibt es selten Truthahn oder fest definierte Weihnachtsmenüs. In den Städten sind außerdem Weihnachtsbuffets in Restaurants und Hotels beliebt, die eine Mischung aus internationaler und vietnamesischer Küche anbieten.
Insgesamt ist Weihnachten in Vietnam ein buntes, lebhaftes Fest, das religiöse Traditionen mit modernen, weltlich geprägten Elementen verbindet. Es wird weniger als besinnliches Familienfest verstanden, sondern eher als fröhliches gesellschaftliches Ereignis, das Menschen zusammenbringt und die Straßen in festliches Licht taucht.
