Der goldene Sternapfelbaum (Das vierte Märchen)

Es war einmal ein wohlhabender Mann, der zwei Söhne hatte. Als der Vater starb, teilten sich die Brüder das Erbe. Der ältere Bruder, gierig und stolz, nahm das ganze Haus, das Land und die Reichtümer. Dem jüngeren Bruder, bescheiden und gutherzig, ließ er nur eine kleine Hütte und einen einzigen Sternapfelbaum im Garten. Der jüngere Bruder kümmerte sich liebevoll um den Baum. Jeden Tag goss er ihn und freute sich über seine Früchte.

Die Menschen kamen von weit her, um den Baum zu bestaunen. Doch eines Morgens bemerkte der jüngere Bruder, dass viele Früchte verschwunden waren. In der folgenden Nacht versteckte er sich unter dem Baum und wartete. Kurz vor Mitternacht erschien ein großer goldener Vogel. Er setzte sich auf die Äste und begann, die kostbaren Früchte zu verzehren. Der jüngere Bruder trat mutig hervor und sagte: „Großer Vogel, diese Frücht sind der einzige Reichtum, den ich besitze. Bitte nimm mir nicht alles fort." Der Vogel sah ihn freundlich an und antwortete: „Wenn du ehrlich und gutherzig bist, werde ich dich belohnen. Bring morgen einen kleinen Sack mit." Am nächsten Tag stieg der jüngere Bruder mit dem kleinen Sack auf den Rücken des Vogels. Der goldene Vogel flog über Berge, Wälder und das weite Meer bis zu einer geheimnisvollen Insel voller Gold, Edelsteine und kostbarer Schätze. Der jüngere Bruder nahm jedoch nur so viel mit, wie in seinen kleinen Sack passte. Danach brachte der Vogel ihn sicher nach Hause zurück. Er wurde nicht reich, aber hatte genug, um gut zu leben und anderen zu helfen.

Als der ältere Bruder davon erfuhr, wurde er neidisch. Er bat seinen Bruder, ihm den Sternapfelbaum für eine Nacht zu überlassen. Und tatsächlich kam der goldene Vogel auch zu ihm. Der ältere Bruder aber nahm einen riesigen Sack, viel größer als versprochen. Auf der Insel stopfte er ihn gierig mit Gold und Edelsteinen voll. Als der Vogel mit ihm zurückflog, wurde die Last immer schwerer. Als der Sack zu schwer wurde, verlor der Vogel das Gleichgewicht. Der gierige Bruder stürzte ins Meer und ertrank.

So lernten die Menschen im Dorf, dass Bescheidenheit und ein gutes Herz mehr wert sind als Gier und Reichtum. Bescheidenheit und Ehrlichkeit werden belohnt, Habgier und Egoismus führen ins Verderben.