Die zwölf vietnamesischen Tierkreiszeichen

Einer Sage nach entstanden die zwölf Tierkreiszeichen, als Buddha (bzw. der Jadekaiser) alle Tiere zu einem Wettrennen einlud. Die ersten zwölf Tiere, die auf der anderen Seite des Flusses ankamen, sollten in dieser Reihenfolge die zwölf Tiere des asiatischen Kalenders werden und jeweils die Aufsicht über ein Jahr erhalten. Die Ratte war einer der schlechtesten Schwimmer im ganzen Tierreich, dafür aber sehr schlau. Sie überredete den Büffel, sie auf dem Rücken über den Strom zu tragen. Gutmütig und einfältig, wie der Büffel war, willigte er ein. Als er sich dem anderen Ufer näherte, sprang die Ratte sobald wie möglich vom Rücken des Büffels ans Ufer und kam als erstes Tier an. Der Büffel folgte auf dem Fuße und wurde als zweites Tier in den Kalenderkreis aufgenommen. Nur wenig später erschien, völlig erschöpft, der Tiger. Er erzählte vom Kampf gegen die Stromschnellen und dass er es nur seiner großen Kraft verdanke, lebend ans andere Ufer  gekommen zu sein. Nun war er der dritte der Runde. Als vierter schaffte es die Katze, die auf dem Weg zum Ziel durch den Drachen unterstützt wurde. Dieser kam als nächstes, als fünftes Tier am Ufer an. Buddha (der Jadekaiser) wollte natürlich wissen, warum der fliegende, schnelle und starke Drache erst als fünfter ins Ziel gekommen sei. Der mächtige Drache erklärte, dass er kurz vor dem Ziel Hilferufe hörte. Diese kamen aus einem benachbarten Dorf, wo ein Feuer ausgebrochen war. Erst nachdem er geholfen hatte, das Feuer zu besiegen, machte er sich wieder auf den Weg. Denn Drachen sind von Natur aus so hilfsbereit, wie Ratten hinterlistig sind. Zum Schluss, sagte der Drache, habe er die hilflose Katze an einen Baumstamm geklammert gesehen und sie mit einem Atemstoß ans andere Ufer befördert. Nach einer Weile hörte man vom Fluss her das Getrappel von Hufen und das Pferd tauchte auf. Um eines seiner Beine hatte sich die Schlange gewickelt, die kurz vor dem Ziel heruntersprang. Das Pferd erschreckte sich gewaltig und strauchelte. Auf diese Weise kam die Schlange als sechstes Tier ins Ziel und das Pferd erst als siebentes. Nicht viel später und in kurzem Abstand tauchten Ziege, Affe und Huhn am Flussufer auf. Nachdem das Huhn ein Floß gefunden hatte, ruderten sie gemeinsam so schnell es ihre Kräfte zuließen auf die andere Seite. Am Ufer entschieden der Affe und das Huhn, ihre gute Freundin, die Ziege, vorzulassen. Sie hatte sich immer gut um die beiden gekümmert und ihre Freundschaft zusammengehalten. Ihnen gehörten daher die Plätze acht bis zehn. Als Elfter kam der Hund ins Ziel. Als guter Schwimmer hätte er viele Plätze weiter vorn liegen können, aber er konnte nicht widerstehen, im Wasser zu spielen und zu tollen, wie es Hunde nun einmal gern tun. Lange passierte nichts, bis das Schwein angetrabt kam. Es sagte, es sei während des langen Weges hungrig geworden, habe eine kleine Pause eingelegt und dann leider eingeschlafen. So kam es, dass das Schwein nur den zwölften Platz in der Runde belegte.

Ausgehend von China hat sich diese Form des Horoskops, die sich nach dem Mondkalender richtet und die nicht mit der westlichen Astrologie vergleichbar ist, in fast allen asiatischen Ländern verbreitet. Abgesehen vom Hasen, der aufgrund eines Übersetzungsfehlers entstand und im Vietnamesischen zur Katze wurde, entspricht der vietnamesischen Ratte im Chinesischen die Maus, dem chinesischen Schaf die vietnamesische Ziege und aus dem Hahn wurde in Vietnam das Huhn. Inhaltlich sind die beiden Kalender aus China und Vietnam identisch.

2024 ist das Jahr das Drachen. Das Geburtsjahr eines Menschen bestimmt, zu welchem chinesischen Tierkreiszeichen er gehört.